Frühling steht vor der Tür

Wir alle freuen uns über den beginnenden Frühling – die ersten Schneeglöckchen, die Primeln, die Tulpenspitzen schauen schon gebietsweise gut sichtbar aus der Erde. Es ist ein neues Erwachsen, das unsere Lebensgeister nach Winter und Kälte in den letzten Wochen wieder aktiviert, wieder hoffnungsfroh stimmt. Auch wenn uns die scheidende Jahreszeit noch manchmal einholt, uns noch manches verwehrt, ist es doch schön anzusehen wie die Welt langsam wieder bunter wird.
Allerdings gibt es auch viele Menschen, die darauf anders reagieren. Trauernde haben gerade in dieser kommenden Frühlingzeit oft eine sehr gedrückte Stimmung, die durchaus an Depression grenzt. Sie denken an ihre Verstorbenen, die das alles nicht mehr miterleben können, sie fühlen sich regelrecht von der Natur verspottet mit dem neuen Erwachen, dem Aufblühen, das sie selbst in diesem Jahr nicht so erleben können.
Doch je nach Zeitpunkt und aktueller Phase der Trauer kann dieses Erleben auch helfen, den Trauerweg wieder ein Stück weiter zu gehen. Es macht erneut bewusst, dass der geliebte Mensch nicht mehr hier ist, vertieft dieses Wissen im Unterbewusstsein, das die gesamte Wahrheit nicht in einer Portion wahrhaben kann. Und jeder dieser Schritte ist wichtig, den Trauerweg Stück für Stück zu gehen und seinen neuen Weg zu finden. Nur wer den Trauerweg, so schmerzhaft er auch ist, bewusst und Schritt für Schritt geht, wird die akute Trauer überwinden und zu einem neuen Leben finden.
Ich wünsche allen Trauernden und nicht Trauernden, dass sie das Frühjahr mit all seinen Schönheiten für sich nutzen können, entweder durch das Bewusstsein, die Trauer wieder ein Stück weiter zu verarbeiten oder durch Genießen der neu aufblühenden Natur.

